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Die eigentümliche Geschichte der Universität zu Köln

Anlässlich der sog. 625 Jahr-Feier der Uni Köln erlauben wir uns noch einmal ein paar Anmerkungen dazu zu machen und dokumentieren hiermit einen AL Text vom Jahr 2000:

Wie alt wird die Kleine eigentlich?

Erst 81 Jahre, nur 491 Jahre, 612 Jahre oder eher 752 Jahre?

Ein Text der AL über die eigentümliche Geschichtsschreibung der Universität zu Köln.

Menschen machen sich gerne jünger, als sie sind. Bei Institutionen sieht das gelegentlich anders aus. Die alma mater coloniensis feiert nun ihren Geburtstag und kann dabei aus verschiedenen Versionen wählen.

Nach der derzeitigen selbstgewählten Fassung begeht die Uni Köln nunmehr ihren 612. Jahrestag, weil am 21. Mai 1388 der in Rom residierende Papst Urban VI. dem patrizischen Rat der freien Reichsstadt Köln die Genehmigung zur Gründung einer Universität erteilte, um der von seinem avignonesischen Gegenspieler beeinflußten Universität Paris einen romtreuen Gegenpol entgegenzusetzen. Dann zog sich alles noch etwas hin, während der Kölner Stadtrat das Projekt in der Hoffnung auf kaufkräftige Gelehrte und Studenten weiterhin propagierte – erst zwischen Weihnachten und Neujahr 1388 konstituierte sich die Kooperation durch die Wahl eines Rektors, der Vorlesungsbetrieb startete am 6. Januar 1389.

Dann ging alles seinen Gang – 410 Jahre lang wurde in der Zensurinstanz und Kaderschmiede von Inquisition, Gegenreformation und Hexenverfolgung geforscht, gelehrt, mitgeschrieben, gesoffen und duelliert. An mittelalterlichen Gepflogenheiten und Riten festhaltend, wurde die europäische Aufklärung ignoriert. Im April 1798 allerdings – das revolutionäre Frankreich regierte seit 1793 auch in Köln – wurde die Universität schlichtweg geschlossen.

Erst 1919 wurde sie unter Mitwirkung des damaligen Kölner Oberbürgermeisters und späteren Bundeskanzlers Konrad Adenauer als „Bollwerk des deutschen Geistes in den gefährdeten Rheinlanden“ (Rede des ersten Rektors Christian Eckert anläßlich der feierlichen Eröffnung am 12. Juni 1919) neu gegründet.

1933 kam Köln der ministeriellen Verfügung vom 21. April, mit der die Universitäten gleichgeschaltet wurden, zehn Tage zuvor. Die StudentInnenschaft beteiligte sich an der nationalsozialistischen Hetze und organisierte beispielsweise am 17. Mai 1933 eine Bücherverbrennung, bei der 334 Bücher und 1200 Zeitschriften zerstört wurden.

Auf einen dritten möglichen Gründungstermin wird sich bislang eher indirekt bezogen: Die Adresse der Universität ist Albertus-Magnus-Platz, und die Statue des ersten Leiters des studium generale der Dominikaner in Köln (1248-1254, †1280) prangt vor dem Hauptgebäude an exponierter Stelle im Blickfeld des RektorInnenzimmers.

Während noch 1969 stolz die 50-Jahrfeier der neuen Universität zelebriert wurde, beging man bereits 1988 den 600. Geburtstag mit großem Pomp und eigenem Wagen auf dem Rosenmontagszug. Zu diesem Anlaß meldeten sich neben den offiziellen HonoratiorInnen-Jubeltruppen auch (studentische) Stimmen zu Wort, die eine kritische und reflektierte Beschäftigung mit der Geschichte der Universität Köln inklusive ihrer düsteren Kapitel einforderten.

Die 608-Jahrfeier, für die eine Rede des damaligen „Zukunftsministers“ und derzeitig frisch gewählten Fraktionsvorsitzenden der CDU im Landtag von NRW Jürgen Rüttgers in der renovierten Aula geplant war, wurde von 600 bis 800 StudentInnen gestört und verhindert.

Die Feierstunde ist in diesem Jahr erstmalig zu einem Universitätstag der offenen Tür ausgeweitet worden, der mit einem für universitäre Verhältnisse geradezu spektakulären Propagandaaufwand mit Plakaten, Transparenten und auf der Homepage der Universität beworben wird. Auch der von Unabhängigen, RCDS und Lust getragene AStA kam den Bitten von Rektor Jens Peter Meincke in Person seiner Referentin Sabine Strahl, das Ereignis publik zu machen, nach und liefert in der Rückmeldung vom 16. Mai eine fünfseitige Darstellung, die nicht das Ereignis, sondern die mangelnde Präsenz von ProfessorInnen anläßlich vergangener Jahrestage kritisiert. Statt sich beispielsweise mit der Männerbastion Hochschule oder dem ökonomisierten Ausverkauf von Bildung zu beschäftigen, ruft die StudentInnenvertretung damit die ProfesorInnen dazu auf, die „invention of tradition“ gefälligst mitzutragen.

Die interessante Frage für die Zukunft bleibt: Welches Ereignis wird größer, die 100-Jahrfeier 2019 oder die 800-Jahrfeier 2048? Oder wird die Sucht nach dem runden Geburtstag zum Eingeständnis der 121-jährigen Unterbrechung führen? Mit besonderem Interesse sieht die Alternative Liste der 500-Jahrfeier von 2009 entgegen.

Aus einem AL-Flugblatt, im Mai 2000 (überarbeitet für die Webseiten der AL), verteilt an der Uni Köln.

Link zum alten Originaltext: http://al.uni-koeln.de/archiv/geschichte1.html

Zum aktuellen Internetauftritt der Uni Köln 2013 und ihrer 625-jährigen Phantasterei, siehe: http://625jahre.uni-koeln.de/
http://625jahre.uni-koeln.de/5073.html

In Bälde geht es weiter zur wirklichen Geschichte der Uni Köln, nebst den düsteren Kapiteln, wie der gern verschwiegenen und umgedeuteten NS-Vergangenheit – z.B. der Gleichschaltung in vorauseilendem Gehorsam – inklusive Bücherverbrennungen und Co..

Offener Brief zur Auszeichnung “Bester Arbeitgeber” an das Seminar für allgemeine BWL und Personalwirtschaftslehre

Wir dokumentieren hiermit den offenen Brief von politischen Hochschulgruppen an der Uni Köln zur Auszeichnung “Bester Arbeitgeber” an das Seminar für allgemeine Betriebswirtschafts- (BWL) und Personalwirtschaftslehre (PWL) der Uni Köln vom Februar 2013:

Sehr geehrte Damen und Herren des Seminars für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Personalwirtschaft,

in den letzten zwei Wochen gab es nach der Ausstrahlung der ARD-Dokumentation “Ausgeliefert!” zahlreiche Medienberichte zum Geschäftsgebaren des Internetversandhauses Amazon. Berichte sprechen davon, dass (vor allem nichtdeutsche) Leiharbeiter_innen unter katastrophalen Arbeitsbedingungen für Amazon gearbeitet haben. Etwa 5000 Leiharbeiter_innen wurden für das Weihnachtsgeschäft eingestellt und wenige Wochen später wieder entlassen. Manche haben erst am Ende eines Arbeitstages erfahren, dass sie am nächsten Tag ihre Wohnung verlassen müssen und nicht mehr beschäftigt werden würden. Innerhalb von 24 Stunden sollten sie ihre Sachen packen und würden dann weggeschafft. Dabei wurde mit H.E.S.S. eine Sicherheitsfirma mit rechtsradikalem Hintergrund beschäftigt. Diese war beauftragt, die Mitarbeiter_innen zu überwachen. Dies ging von Kontrollen in den Unterbringungen, und damit einem Eindringen in die Privatsphäre, über Verhaltenskontrollen bis hin zu offener Schikanierung.

Außerdem soll die Zeitarbeitsfirma Trenkwalder in den Skandal verwickelt sein. Sie habe Amazon im Weihnachtsgeschäft 1000 Leiharbeiter_innen vermittelt. Laut Angaben der Bundesagentur für Arbeit seien dabei zahlreicheVerstöße gegen das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz und die aus Arbeitnehmer_innensicht ohnehin niedrigen Standards festgestellt worden. Beiden Firmen wurde wenige Tage nach der Ausstrahlung der Dokumentation von Amazon gekündigt.

Tagesschau.de machte am 21.02. publik, dass die Firma Trenkwalder im Wettbewerb “Deutschlands beste Arbeitgeber” einen Preis gewonnen habe. Laut Angaben auf der Homepage www.greatplacetowork.de wurde der 2011
vergebene Preis in der Kategorie “Qualität der Arbeitsplatzkultur” zwar mittlerweile bis zur Klärung der Umstände rund um Amazon ausgesetzt, uns machte es trotzdem stutzig, dass die Uni Köln in die Preisvergabe verwickelt sei. Weitere Recherchen führten uns dann zu Ihrem Seminar, dem Seminar für ABWL und Personalwirtschaftslehre.

Als Studierende der Universität interessiert uns nun, welche Rolle das Seminar für ABWL und Personalwirtschaftslehre bei der Vergabe des Preises gespielt hat. Die Tatsache, dass eine Institution wie die Uni Köln in eine solche
Preisvergabe involviert ist, setzt, unabhängig vom gewählten Auswahlverfahren und dem Verwicklungsgrad, ein Zeichen, dass es eine seriöse Auszeichnung sei. Die Uni steht mit Ihrem Namen dafür ein, dass Trenkwalder ein guter Arbeitgeber sei.

Die Vergabe des Preises überrascht uns jedoch, da zu den offiziellen Kategorien des Wettbewerbs die Kategorien “Glaubwürdigkeit, Respekt, Fairness, Stolz und Teamgeist” gehören. Nicht erst seit dem Amazon-Skandal steht jedoch fest, dass genau diese Werte durch Zeitarbeit torpediert werden. Ein wichtiges Ziel ist es ja, durch Zeitarbeit gute Arbeitsbedingungen zu verhindern, um Löhne und Sozialabgaben zu drücken und um flexibel Arbeiter_innen einstellen und entlassen zu können. So soll die Wettbewerbsfähigkeit gestärkt werden. Gute Arbeitsbedingungen kommen in dieser Rechnung nicht vor.

Ein Zeitarbeitsunternehmen als guten Arbeitgeber zu bezeichnen, konterkariert die Idee, dass hinter so einem Wettbewerb stehen könnte, wirklich gute Arbeitgeber auszuzeichnen. Selbst wenn die eigentliche Zeitarbeit gar nicht bewertet wird

Da uns bisher nicht deutlich wird, wie das Seminar in den Skandal verwickelt ist, bitten wir Sie, mit diesem offenen Brief öffentlich Stellung zu nehmen und klar zu stellen, welche Bedingungen aus Ihrer Sicht gegeben sein müssen um
von guter Arbeit und von guten Arbeitgeber_innen zu reden.

Dies ist für uns auch bedeutungsvoll, da in den Ziel- und Leistungsvereinbarungen zwischen der Universität zu Köln und demMinisterium für Innovation, Wissenschaft und Forschung in § 10 vereinbart wurde, dass ein Kodex “Gute Arbeit an Hochschulen“ entwickelt werden soll. Dies ist aus unserer Sicht unvereinbar mit der möglichen Stärkung schlechter Arbeitsbedingungen außerhalb der Hochschule.

Über eine zeitnahe Reaktion würden wir uns sehr freuen.

Mit freundlichen Grüßen
Die Hochschulgruppen

campus:grün, Alternative Liste (AL), dielinke.sds, Piraten Hochschulgruppe

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Nachtrag: Eine öffentliche Reaktion aus dem Seminar an der UK dazu gab es bisher nicht. Wohl aber dafür Interviewanfragen von öffentlichen Medien, der Presse an die Hochschulgruppen (HSG) aus Köln und anderswo.

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Am 9. April 2013 kam dann eine Erklärung vom Seminar die darum hiermit dokumentiert wird:

„Sehr geehrte Damen und Herren,
[…]
· Wir haben mit der Preisvergabe nichts zu tun und hatten dies auch nie.
· Weder der Lehrstuhl noch irgendein Mitarbeiter hat je Geld von Great-Place-To-Work bekommen.
· Hintergrund: Wir haben vor einigen Jahren einmal Daten für ein Forschungsprojekt bekommen aus einer großzahligen Beschäftigtenbefragung, die vom Arbeitsministerium finanziert worden ist und von GPTW durchgeführt wurde. Daraufhin haben wir einige wenige Fragen für weitere Befragungen von GPTW vorgeschlagen, die uns in der Forschung interessieren. Great-Place-To-Work hat uns daraufhin als Forschungspartner auf ihrer Webseite genannt. Es scheint daraus der Eindruck entstanden zu sein, dass wir an der Preisvergabe beteiligt sind. Dies ist nicht der Fall.
Mit freundlichen Grüßen
[…]
Seminar für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Personalwirtschaftslehre
Universität zu Köln
Herbert-Lewin-Str. 2
D-50931 Köln“




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